Noch während des Referendariats in Stuttgart wurde ich von meiner Frau überredet, auf eine Suchanzeige eines Keyboarders und eines Sängers aus dem Horber Raum zu antworten. Das war der Beginn einer für mich sehr inspirierenden Zeit (auch wenn das Zweite Staatsexamen ohne diese Erfahrung wohl besser ausgefallen wäre...

Das Besondere an dieser Formation war die Begegnung zweier Generationen: Torsten Krug (voc, perc), Jochen Hank (key, voc), und Andreas Zbik (dr) machten gerade ihr Abitur. Peter und ich waren zehn Jahre älter. Da blieben Konflikte im Proberaum nicht aus, zumal ich die Stücke schrieb und in der Regel Torsten für das Arrangement zuständig war. Das musikalische Niveau war sehr hoch, wie man an den weiteren Lebenswegen des damaligen "Nachwuchses" erkennen kann:

Torsten entschied sich nach reiflicher Überlegung für eine Karriere beim Theater (er könnte genauso gut heute Schumann-Lieder interpretieren), Jochen studierte Musik in Freiburg und beschäftigt sich seit seinem längeren Aufenthalt in Brasilien mit lateinamerikanischen Rhythmen. Andi schließlich ist als Jazz-Schlagzeuger und Radiomacher weit über die Stuttgarter Szene hinaus bekannt.

Als Hörbeispiel für unsere Demoarbeit habe ich "Behind the Wall" aus dem Jahr 1992 ausgewählt. In dem Stück habe ich meinen Besuch des Jugendgefängnisses Adelsheim verarbeitet. Aufgenommen haben wir das ziemlich verschachtelte 9-Minuten-Stück im wesentlichen mit einer 4-Spur Tascam Maschine live im Proberaum. Später wurden die Vocals und das Gitarrensolo dazugemischt. Mittlerweile ist es dank PC natürlich viel einfacher geworden, als Amateur Aufnahmen in Studioqualität zu machen. Im Nachhinein muss ich Torsten, der für die Produktion verantwortlich war, noch größeren Respekt zollen, als ich es damals schon tat.

Aus dem Abschlusskonzert 1993 im JuFo Möglingen stammt "A Tune for Bosnia". Ich hatte einen Abdruck des gleichnamigen Gedichts von Josef Brodsky in der Zeitung gelesen und da mich das Thema damals sehr bewegte, dies als Einstieg für den Text verwendet.